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Die Quasselstrippen unter den Zellen

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Facebook, WhatsApp, Instagram – soziale Netzwerke und Kommunikation sind heute wichtiger denn je. Auch das Immunsystem funktioniert wie ein großes soziales Netzwerk – Quasselstrippen sind die Fresszellen.

Unser Immunsystem ist Tag und Nacht im Einsatz: Ununterbrochen wird es von Bakterien, Viren und Pilzen aus unserer Umgebung angegriffen. Um die Angreifer wirksam zu bekämpfen, müssen Immunzellen miteinander kommunizieren. Dafür versenden sie Botenstoffe, die von anderen Zellen über Rezeptoren empfangen werden können. Diese Stoffe ermöglichen es, Informationen im Körper zu verbreiten und komplexe Vorgänge wie eine Abwehrreaktion gegen Krankheitserreger zu steuern. Manche Zelltypen sind dabei kommunikativer als andere, sagen Forscher der Experimentellen Systemimmunologie vom Max-Planck-Institut in Martinsried „Angeborene Immunzellen, wie Fresszellen (Makrophagen) sind wahre Quasselstrippen“, so Felix Meissner, Leiter der Studie.

Meissner und sein Team entschlüsselten alle Botschaften, die Immunzellen untereinander austauschen, um Krankheiten gezielt bekämpfen zu können. Dabei entdeckten sie unbekannte Verbindungen zwischen Zelltypen und komplexe zelluläre Kommunikationsstrukturen. Die Ergebnisse ihrer Forschung wurden im Fachmagazin Nature Immunology veröffentlicht.

Für ihre Studie sortierten die Wissenschaftler insgesamt 28 verschiedene Zelltypen des Immunsystems sowie Fresszellen oder Lymphozyten aus dem Blut gesunder Menschen. Jeder Zelltyp erfüllt eine andere Aufgabe im Immunsystem und kommuniziert folglich auch anders. „Jede Zelle hat einen Charakter. Wir konnten entschlüsseln, wer wem welche Geschichten erzählt und auch wer nicht zuhört“, berichtet Meissner. Künftig möchten die Forscher herausfinden, ob sich das Kommunikationsnetzwerk im Blut auch auf andere Organe und Gewebe übertragen lässt.