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Dem Suchtfaktor Facebook auf der Spur

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Viereckige, müde Augen sind ein Indiz der tausenden Facebook-süchtigen Menschen auf dieser Welt. Doch lässt sich der Drang nach Likes und medialer Teilhabe auch anhand bestimmter Hirnstrukturen nachweisen? Bonner Forscher gehen der Sache auf den Grund.

Mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung war vergangenes Jahr auf Facebook aktiv. Dazu beigetragen hat mit großer Wahrscheinlichkeit auch die belohnende Wirkung durch Likes oder positive Kommentare des Netzwerks. Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Ulm wollten prüfen, ob sich anhand neuroanatomischer Strukturen Vorhersagen über die Facebook-Nutzung machen lassen. Ihre Ergebnisse sind im Fachmagazin Behavioural Brain Research erschienen. Mit einer eigens programmierten App konnte das Team um Christian Montag nachvollziehen, wie 62 junge Probanden Facebook auf dem Smartphone nutzen. In anschließenden Hirnscans haben die Forscher  einen Zusammenhang zwischen einer stärkeren Facebooknutzung und einem geringeren Volumen des Belohnungssystems des Gehirns, dem Nucleus accumbens festgestellt. „Obwohl die Probanden größtenteils Studierende und somit nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind, gibt die Studie interessante Hinweise für die Suchtforschung. Bei deutlich höherem, womöglich sogar exzessivem Facebook-Nutzungsverhalten, das in der vorliegenden Studie jedoch nicht beobachtet werden konnte, wird der Nucleus accumbens für eine bessere Charakterisierung der Netzwerk-Nutzung sicherlich von Bedeutung sein“, so Studienleiter Christian Montag. In vorherigen Studien konnte bereits ein Zusammenhang zwischen geringem Nukleus-acuumbens-Volumen und erhöhtem Nikotin- oder Alkoholkonsum nachgewiesen werden.  

Über fünf Wochen verfolgte sein Team, wie oft die Studienteilnehmer im Durchschnittsalter von 23 Jahren Facebook über ihr Mobiltelefon aufgerufen haben und wie viel Zeit sie im Durchschnitt dort verbrachten. Die Nutzung fiel insgesamt moderat aus: Im Durchschnitt öffneten die Teilnehmer ihre App acht bis neun (8,7) Mal am Tag und sie verbrachten im Mittel 8,21 Minuten täglich mit dem sozialen Netzwerk. Es bleibt jedoch ungeklärt, ob das geringere Volumen eine stärkere Nutzung der sozialen Medien auslöst oder ob diese Veränderung das Resultat der erhöhten Anwendung ist.